Z wei Choreographinnen aus zwei Kontinenten, die Brasilianerin Lia Rodrigues und die Französin Catherine Diverrès, ließen sich vom Bauhaus-Künstler, Maler, Bildhauer und Theatermann Oskar Schlemmer inspirieren, dem Schöpfer des legendären “Triadischen Balletts”. Herausgekommen sind zwei Arbeiten, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Geometrie und Ekstase, so könnten die Gegensätze heißen, aus denen die Produktion “San” ihre innere Spannung bezieht. Catherine Diverrès, eine der bekanntesten Choreographinnen der europäischen Tanzszene, hat ausgehend von Schlemmers Universum ihre ganz eigene Poetik und Philosophie entwickelt. “San” wird geprägt von geometrischen Mustern. Auch die Körper der drei Tänzer werden zu Kunstfiguren und dynamischen Formen, die stetig sich neu bildenden und wiederkehrenden Rhythmen und Linien folgen. So entsteht eine Choreographie, deren Kraft in der abstrakten formalen Konzentration und den spannungsgeladenen Ausbrüchen der Körper liegt.

Lia Rodrigues, Choreographin, Festivalleiterin und Wegbereiterin des zeitgenössischen Tanzes in Brasilien, bewegt sich im Grenzbereich zwischen Performance, bildender Kunst und Tanz, ein multidisziplinärer Ansatz, der sie mit Oskar Schlemmer verbindet. Auch seinen Humor scheint sie sich zu eigen zu machen, wenn sie wie in lebendig gewordenen Anatomiestudien die Banalität des Körpers in geometrischen Mustern ausstellt. “Formas Breves” setzt sich aus einer Serie klar strukturierter Skizzen zusammen. Ausgehend von einem raffinierten, gestischen Vokabular, entfaltet Rodrigues eine subtile Inszenierung, die abstrakt und sinnlich zugleich ist.